Glaubenssache

Kirchenkreis Burgdorf, 03. Januar 2026
Pastorin Kirsten Kuhlgatz. Foto: privat

Am Aufregendsten war es, wenn mich die gewürfelte Zahl auf ein Gemeinschafts- oder Ereignisfeld führte. Was auf der anderen Seite der Karte wohl zu lesen war? Z.B. „Du wirst zu Straßenausbesserungsarbeiten herangezogen.“, „Du hast den 2. Preis in einer Schönheitskonkurrenz gewonnen.“ (Warum eigentlich nur den Zweiten?) oder „Du kommst aus dem Gefängnis frei!“ ?
Mit viel Begeisterung habe ich Monopoly gespielt und bin voll mitgegangen. Von „Oh nein!“ bis „Juhuu!“ war alles dabei. Wie im „richtigen Leben“.

Die beste Karte war „Rücke vor bis auf Los! Ziehe 4000 (damals noch) D-Mark ein!“ Eine neue Runde mit frischem Kapital - wieder aus dem Vollen schöpfen, die Strategie überdenken und neue Wege ausprobieren.
Das neue Jahr fühlt sich für mich jedes Mal so an  – mit dem frischen Kapital von Minuten, Tagen und Monaten, in denen sich etwas verändern kann.

„Rücke vor bis auf Los!“ ist kein Reset; Altlasten sind nachhaltig und Gewohnheiten beharrlich. Und trotzdem: In dem Wechselbad der Gefühle lasse ich mir jedenfalls die Zuversicht nicht nehmen, dass sich kleine Stellschrauben drehen und Verhältnisse zum Besseren ändern lassen. Ich spiele weiter mit – und erbitte für mich persönlich eine angemessene Haltung und Strategie. Mit geliehenen Worten bete ich zu Gott, dem Grund meiner Hoffnung:

Gott, gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
(R. Niebuhr (1892-1972), Theologe, Philosoph und Politikwissenschaftler)

Mit guten Wünschen für die neue Runde 2026 inkl. frischem Kapital!

Kirsten Kuhlgatz
Pastorin der Ev.-luth. Kirchengemeinde Lehrter Land und Klinikseelsorgerin im KRH Siloah

„Glaubenssache – Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“ erscheint als Kolumne jeweils sonnabends im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen schreiben Beiträge aus ihren Kirchengemeinden, Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie gerade beschäftigt.