Schutz der Zivilbevölkerung ist nicht verhandelbar

23. Februar 2026
Die Einwohner erhalten an einer humanitären Hilfsstelle Lebensmittel und heiße Getränke, während andere Einheimische sich aufwärmen und ihre Geräte aufladen, nachdem wichtige zivile Infrastruktur während eines Stromausfalls durch russische Raketen- und Drohnenangriffe in der Nacht getroffen wurde, während Russland die Ukraine angreift. Mehr als 1.100 Gebäude in Kyjiw sind weiterhin ohne Heizung, und auch in den Oblasten Kyjiv, Dnipropetrowsk, Poltawa, Tschernihiw und Sumy ist die Lage schwierig. Kyjiw, Ukraine, Februar 2026. Copyright: Mariia Savoskula/Diakonie Katastrophenhilfe

Zusätzliches Winterhilfe-Programm der Diakonie Katastrophenhilfe

Der russische Einmarsch in der Ukraine, der sich am 24. Februar zum vierten Mal jährt, hat rund 15 Millionen Menschen tief traumatisiert. Angriffe auf die Energieinfrastruktur gefährden das Überleben Hunderttausender Menschen bei anhaltender Winterkälte. Das evangelische Hilfswerk Diakonie Katastrophenhilfe setzt ein zusätzliches Winterhilfe-Programm um, um das Leid zu mindern. Partner des evangelischen Entwicklungswerks Brot für die Welt weisen auf die langfristigen sozialen Folgen des Krieges in der Ukraine hin.

Der Beschuss von Energieanlagen durch Russland hat die humanitäre Lage in der Ukraine verschärft. „Hunderttausende Menschen sind seit vielen Wochen bei Minusgraden ohne Strom, ohne Wasser oder ohne Heizung. Die Kälte wird in dieser Phase des Kriegs als Waffe eingesetzt, um die Menschen zu brechen“, sagt Martin Keßler, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe. „Mit diesem Vorgehen hat der Krieg eine neue Dimension erreicht, welches unverhältnismäßig viel Leid für die Zivilbevölkerung erzeugt und völkerrechtswidrig ist.“ Mit Blick auf Gespräche zwischen Russland und der Ukraine sagt Martin Keßler: „Der Schutz der Zivilbevölkerung darf nicht Verhandlungsmasse sein, sondern ist völkerrechtlich vorgeschrieben.“

Ein Ende des außergewöhnlich kalten Winters ist noch nicht in Sicht. „Mit einem zusätzlichen Winterhilfe-Programm unterstützen wir mehr als 700 Familien in Kyjiw und Dnipro. Mit Gutscheinen können Familien Brennstoff, Reparaturmaterial oder Kleidung gegen die anhaltende Kälte kaufen“, sagt Andrij Waskowycz, Büroleiter der Diakonie Katastrophenhilfe in Kyjiw. Die Maßnahmen ergänzen laufende Hilfsprojekte, die unter anderem Evakuierungen, die Reparatur von Wohnraum oder verstärkt psychosoziale Maßnahmen beinhalten. „Mindestens 15 Millionen Menschen sind durch den Krieg traumatisiert. Das hinterlässt tiefe Spuren in der gesamten Gesellschaft“, sagt Waskowycz.

Geld für Humanitäre Hilfe konzentriert sich zunehmend auf die Frontregionen, während Hilfsprogramme in zentraleren Teilen der Ukraine zurückgehen. Dort suchen die meisten der rund 3,6 Millionen Binnenvertriebenen Schutz. „Die Suche nach Hilfe wird zu einem gefährlichen Pull-Faktor, wenn viele Vertriebene eine Rückkehr in frontnahe Gebiete in Betracht ziehen. Hilfe muss deshalb in der gesamten Ukraine geleistet werden, um das zu vermeiden“, warnt Waskowycz.

Brot für die Welt fördert aktuell 15 lokale Partnerorganisationen in der Ukraine, die unter anderem zu geschlechtsspezifischer Gewalt, HIV- Tommy Ramm Pressesprecher Tel+49 30 65211 1225 tommy.ramm@ diakonie-katastrophenhilfe.de www.diakonie-katastrophenhilfe.de Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e. V. Caroline-Michaelis- Straße 1 10115 Berlin Spendenkonto Bank für Kirche und Diakonie IBAN DE10 1006 1006 0500 5005 00 BIC GENODED1KDB Ukraine: Schutz der Zivilbevölkerung ist nicht verhandelbar Prävention oder psychosozialer Betreuung arbeiten. „Diese Probleme sind mit dem Krieg nicht verschwunden, sondern weiterhin eine enorme Herausforderung“, sagt Vitaliy Mykhaylyk, der das Rehabilitationszentrum St. Paul in Odessa leitet und von Brot für die Welt unterstützt wird. „Hunderttausende Soldaten wurden verletzt oder getötet. Das reißt tiefe Wunden in Familien und verstärkt gesellschaftliche Probleme“, sagt Mykhaylyk und beklagt fehlende Kapazitäten. „Wir bilden Freiwillige fort und stärken sie, um Erschöpfungssyndrome frühzeitig zu erkennen und Burnout vorzubeugen. Viele Helfer*innen haben ihre Belastungsgrenze längst erreicht.“

Die Diakonie Katastrophenhilfe hat seit 2022 rund 79 Millionen Euro an Spenden für die Ukraine-Hilfe erhalten und eingesetzt. Zusätzlich erhält das evangelische Hilfswerk Mittel des Auswärtigen Amts für humanitäre Hilfe. Das verstärkte Engagement europäischer Länder reicht trotzdem nicht aus, um die durch den Rückzug der USA entstandene Lücke zu schließen.

Wir stehen fest an der Seite der Menschen in der Ukraine

Der Ratsvorsitzende der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Bischof Thomas Adomeit (Oldenburg), sagt zum 4. Jahrestag der russischen Vollinvasion der Ukraine 24. Februar 2026:

„Es ist eine unsägliche Katastrophe, dass der Angriffskrieg der russischen Konföderation gegen die Ukraine jetzt schon vier Jahre andauert. Unzählige Menschen haben ihr Leben verloren, haben Verletzungen an Leib und Seele davongetragen und oft ihr Hab und Gut verloren. Die völkerrechtlich verbotene Zerstörung der zivilen Infrastruktur, insbesondere der Wärme- und Energieversorgung, stürzt hunderttausende Kinder, Jugendliche, ältere Menschen und ganze Familien in tiefe Not und schweres Leid. Nicht endende Drohnen- und Raketenangriffe treffen diese Menschen besonders hart. Viele Menschen mussten aus ihrer Heimat fliehen.

Seit über einem Jahr erleben wir zudem, wie sogenannte Friedensverhandlungen geführt werden. Sie lassen keinen Willen zu einer Lösung erkennen, die die unveräußerlichen Rechte der Menschen in der Ukraine achtet.
Problematisch ist auch die Rolle, die die russisch-orthodoxe Kirche innerhalb der russischen Propaganda einnimmt.

Als evangelische Kirchen in Niedersachsen stehen wir fest an der Seite der Menschen in der Ukraine und derjenigen, die hier bei uns Schutz gesucht und sich teilweise auch eine neue Existenz aufgebaut haben. Es ist die Aufgabe aller politischen und gesellschaftlichen Kräfte in unserem Land, diese Menschen zu unterstützen und weltweit für den Frieden einzutreten.

Unter den Segen Gottes stellen wir uns und alle Menschen in Andachten und Gottesdiensten. Wir halten an der Hoffnung fest, dass der Krieg nicht das letzte Wort hat und der Frieden, den Gott schenkt, am Ende stärker ist als all das Böse, das Menschen in diese Welt bringen.“
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Hannover, den 23. Februar 2026

Pressestelle der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen