Das Gute neu entdecken
Meteorologen sagen noch einen langen Winter voraus. Die Tage sind kurz, das Licht spärlich, die Kälte kriecht in die Glieder. Viele Menschen fühlen sich müde – innerlich wie äußerlich. Wir bewältigen unseren Alltag, funktionieren, erledigen, organisieren. Und doch bleibt manchmal dieses leise Gefühl: Etwas fehlt. Nicht unbedingt mehr Besitz, sondern mehr Freude.
In diese Stimmung hinein klingt ein alter Bibelvers überraschend hell:
„Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deinem Haus gegeben hat.“
(5. Mose 26,11)
Bemerkenswert ist: Hier wird keine oberflächliche Fröhlichkeit gefordert, sondern ein bewusstes Innehalten. Ein neuer Blick auf das, was längst da ist: ein warmes Zuhause, genug zu essen, Menschen, die uns beistehen, Gesundheit – oder zumindest Hilfe. Vieles davon ist nicht selbstverständlich, auch wenn wir uns daran gewöhnt haben.
Die Bibel erinnert uns daran: Die guten Dinge in unserem Leben sind kein Zufall. Sie haben einen Geber. Der HERR ist nicht fern oder gleichgültig, sondern der, der das Leben erhält und beschenkt. Wer das Gute nicht nur nutzt, sondern als Gabe erkennt, erlebt einen Perspektivenwechsel. Dankbarkeit öffnet die Tür zur Freude.
Vielleicht ist das ein Impuls für diese Wintertage: einen Moment innehalten, das Gute benennen – und dem Geber der guten Gaben Raum geben im eigenen Leben. Manchmal beginnt neue Freude genau dort, wo wir uns neu beschenken lassen.
Volkmar Günther, Gemeinschaftspastor der LKG Burgdorf