Hoffen auf Gottes weite bunte Welt
Ich liebe Anke Engelke. Die famose Künstlerin düst ohne Smartphone durchs Leben. Also bewusst, gewollt und völlig losgelöst von der elektronischen Fußfessel.
Und ich? Ich sehe mein ständiges Starren aufs Handy schon nicht mehr. Viele sehen die Welt durch die Brille der Apps. Der Raum um sie verschwindet. Sie selber verschwinden, sind nicht mehr ganz hier, sondern "da, da, da":
Hinabgestiegen und abgetaucht in die elektronischen Filterblasen und digitalen Echokammern. Ohne Fenster.
Siehe!, spricht Gott. Siehe, ich mache alles neu! (Die Offenbarung des Johannes, 21,25). Dieses Siehe! ist ein Paukenschlag, eine donnernde Verheißung, ein Lichtstrahl, der mit Macht herniederfährt in die Dunkelräume des Cyberspace. Dieses Siehe! reißt mir den Vorhang der Pupille urplötzlich auf. Öffnet meinen Blick neu, öffnet meine Sinne neu: für die Sonne, die durch die Ritzen der kalten Echokammern bricht. Für die Menschen an meiner Seite. Für die Hoffnungsgeschichten, die uns umgeben, und die wir gemeinsam neu erzählen wollen.
Offen hat mit Hoffen zu tun. Hoffen auf einen neuen Himmel und eine neue Erde, jenseits des Cyberspace. Hoffen auf Gottes weite bunte Welt - und nicht verstellt vom Smartphone. Viele Menschen verzichten vor Ostern auf scheinbar Unverzichtbares, freiwillig. Sie fasten, erfahren, was sie wirklich zum Leben brauchen. Wie also wär´s mit 40 Tagen Handyfasten? Wir sehen, hören, singen, sagen und lachen ganz neu, ganz anders, offen offline - wie Anke Engelke, also in echt jetzt.
Frank Seger
Lektor im Kirchenkreis Burgdorf