Heute feiern Menschen ihre Liebe
Noah zum Beispiel. Er legt behutsam Ingwer, Shiitake-Pilze und Tamari-Sojasauce in seinen Einkaufswagen. Noah strahlt vor Freude. Denn heute Abend möchte er Yvonne überraschen. Die letzten Wochen waren anstrengend. Umso intensiver genießen sie die Zeit miteinander. Auf dem Speiseplan steht eine japanische Nudelsuppe. Die mag Yvonne besonders gern. Und Noah läuft jetzt schon das Wasser im Mund zusammen.
Oder Peer. Er pfeffert seinen Ranzen in die Ecke und geht stumm auf sein Zimmer. Seine Mama folgt ihm besorgt. „Was ist los?“, fragt sie. Peer druckst herum. Da fasst er sich schließlich ein Herz: „In Mathe, das ist leider nicht so gut gelaufen“. „Ein Dreier?“, fragt sie vorsichtig. Er schüttelt den Kopf. Schlimmer. Da nimmt sie Peer in den Arm. „Ich hab‘ dich lieb“, sagt sie, „egal, was ist“. Und schon ist der Dreier vergessen.
Oder Melanie. Sie putzt sich gerade die Zähne, als ihr iPhone klingelt. „Wer ruft denn so spät noch an?“, fragt jemand aus dem Wohnzimmer. „Das ist Johanna. Ich glaube, es ist wichtig. Da sollte ich rangehen“, entschuldigt sie sich und hebt ab. Das Schluchzen ihrer Freundin ist bis ins Wohnzimmer zu hören. „Ich bin für dich da“, beruhigt sie Melanie. In der Küche stellt sie den Espressokocher auf den Herd. Denn sie ahnt, dass es später wird. Doch wofür hat man Freundinnen?
Was wären wir ohne die Liebe? Es gibt Menschen, die sagen: Gott ist die Liebe. Da ist sicher etwas dran. Auf jeden Fall glaube ich, dass Gott das Leben liebt und uns immer wieder anschubst, um die Liebe zu leben.
Henrik Heinicke
Pastor der St.-Pankratius-Kirchengemeinde Burgdorf