Heilsames Licht
„In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen.“ (Johannes 1,4–5)
Es ist schon ärgerlich, wenn man beim Spaziergang merkt: Die Straßenbeleuchtung ist defekt. Umso schöner ist es, wenn man dann in eine Umgebung kommt, wo die Lichter gut zu sehen sind: in den Fenstern der Nachbarschaft, die Adventssterne an den Haustüren, die Beleuchtung auf den Marktplätzen. Es ist eine tiefe Sehnsucht von uns: Gerade in der dunkelsten Zeit des Jahres wollen wir gegen die Nacht anleuchten.
All diese Lichter sind schön, sie machen die Nacht weicher.
Doch Weihnachten ist zum Glück sogar mehr als nur eine schöne Dekoration gegen den Winterblues. Der Evangelist Johannes findet dafür Worte, die weit über die gemütliche Kerzenstimmung hinausgehen. Er spricht von einem Licht, das in die Welt gekommen ist und das eine ganz besondere Eigenschaft hat: Die Finsternis konnte es nicht „ergreifen“.
Hier ein Tröpfchen Grammatik: Das griechische Wort, das hier mit „ergreifen“ übersetzt wird, meint mehr als nur ein bloßes Anfassen. Es bedeutet auch: Die Finsternis konnte das Licht nicht überwältigen. Sie konnte es nicht auslöschen, nicht unterdrücken und nicht klein kriegen. Wenn wir heute auf unsere Welt blicken, können wir leicht das Gefühl bekommen, dass die „Finsternis“ ziemlich laut geworden ist. Wir achten auf bedrückende Schlagzeilen, wir spüren gesellschaftliche Spannungen, und auch ganz persönliche Schattenseiten können uns das Gefühl geben, dass das Licht in der Welt schwächer wird. Die Botschaft von Heiligabend setzt ein machtvolles „Trotzdem“ dagegen.
Das Licht, das an Weihnachten in der Krippe liegt, ist das Leben selbst.
Es ist Gottes Zusage, dass er diese Welt nicht sich selbst überlässt.
Wie schön, dass Gottes Kommen kein schweres Gericht ist, keine bedrückende Schlagzeile, sondern ein heilsames, lebendiges Licht, das in unsere Dunkelheit fällt! Ich weiß: All das zu glauben und zu spüren, geht nicht auf Befehl. Das biblische „Fürchtet euch nicht“ aus der Weihnachtsgeschichte ist für mich deshalb eher ein Zuspruch: Dieses Licht ist für Sie, für Dich und für mich da! Vielleicht kann ich das heute weder sehen noch spüren, aber es leuchtet von sich aus – weit über Heiligabend hinaus.
Und wenn ich es irgendwann sehe und spüre, dann verstehe ich, was dieses „Fürchtet euch nicht“ bedeutet: Gottes Liebe ist stärker als die Schlagzeilen. Gottes zartes Leben in der Krippe ist stärker als der Tod.
Gottes Licht ist am Ende immer stärker als die Nacht unserer Welt!
Ich wünsche Ihnen dieses Licht Gottes, ganz gleich, ob Sie allein oder mit Ihren Lieben feiern. Für mich ist dieses Licht eine Hoffnung, die trägt und die niemand auslöschen kann.
Ein gesegnetes und lichtvolles Weihnachtsfest!
Dr. Tibor Attila Anca
Pastor der Ev.-luth. Kirchengemeinde An Aue und Fuhse und stellv. Superintendent Kirchenkreis Burgdorf