Glaubenssache

Kirchenkreis Burgdorf, 31. Oktober 2026
Pastor Henrick Heinicke. Foto: Foto Harmann-Lotz

Halloween oder Reformationstag?

„Papa, können wir Halloween feiern?“. Meine Tochter schaut mich erwartungsvoll an. Im vergangenen Jahr konnte ich mich irgendwie herausreden. Wir waren am 31. Oktober unterwegs, und es lohnt sich ja nicht, den Vorgarten in eine Geisterbahn zu verwandeln, wenn man selbst gar nicht zu Hause ist. Doch in diesem Jahr fehlt mir eine solche Ausrede.

„Können wir in diesem Jahr Halloween feiern?“ Mein erster Gedanke ist: Nein, wir feiern selbstverständlich den Reformationstag! Aber ich sehe ein, dass das für eine Siebenjährige nicht halb so attraktiv ist wie der Gruselspaß mit Verkleidungen, Kürbissen und Süßigkeiten.

Je länger ich darüber nachdenke, desto weniger fremd kommt mir die Idee vor. Martin Luther ging es schließlich auch darum, den Menschen die Angst zu nehmen – die Angst um ihr Seelenheil, die Angst davor, vor Gott nicht bestehen zu können. Er wollte die Menschen von der Vorstellung befreien, sie müssten sich Gottes Liebe erst verdienen.

Die Message vom Reformationstag lautet: Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns annimmt – nicht, weil wir perfekt sind, sondern weil er gnädig ist. Und an Halloween geht es – zwischen Gespenstern, Hexen und gruseligen Masken – auch um die Frage, wovor wir uns fürchten und was uns Sicherheit gibt.

Vielleicht feiern wir in diesem Jahr einfach beides: Reformationstag und Halloween! Mit Kürbissen und Süßigkeiten, mit schaurigen Kostümen und Grusel an der Haustür. Und mit dem Gedanken daran, dass die Angst nicht das letzte Wort hat und dass Gottes Liebe größer ist als das, was uns erschreckt.

Henrik Heinicke
Pastor der St.-Pankratius-Kirchengemeinde Burgdorf

„Glaubenssache – Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“ erscheint als Kolumne jeweils sonnabends im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen schreiben Beiträge aus ihren Kirchengemeinden, Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie gerade beschäftigt.