Liebe Leserinnen und Leser, in den orthodoxen Kirchen wird der September, als der Schöpfungsmonat begangen, in dem Gläubigen besonders Gott als den Schöpfer der Welt gedenken. Dieser Monat lädt dann dazu ein, neu über die Schönheit der Schöpfung, ihre Verletzlichkeit und unsere Verantwortung für sie nachzudenken. Passend zu diesem Gedanken möchte ich ein kleines Kunstwerk aus einer kleinen Kapelle im Münsterland vorstellen. Altar, Ambo und Taufbecken wurden von einem Künstler gestaltet, dessen Name mir leider unbekannt ist. Den Altar schmücken auf allen Seiten kleine Bronzemedaillons. Eines davon befindet sich auf der Rückseite des Altarsockels, weit unten. Es zeigt Adam und Eva, die den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse flankieren. Um den Baum windet sich die Schlange, die in der biblischen Erzählung zum Sinnbild der Versuchung wird. Das Medaillon erinnert an den entscheidenden Augenblick, in dem Adam und Eva den Wunsch verspüren, erkennende Wesen zu sein. Sie möchten Gut und Böse unterscheiden, Einsicht gewinnen und die Welt mit eigenen Augen verstehen. Diese Sehnsucht nach Erkenntnis ist zutiefst menschlich. Doch mit der gewonnenen Einsicht wächst zugleich die Verantwortung für das eigene Handeln. Gerade deshalb passt dieses Medaillon hervorragend in den Schöpfungsmonat. Es erinnert daran, dass wir Menschen Verantwortung für die uns anvertraute Schöpfung tragen. Unser Umgang mit der Natur, mit den Mitmenschen und mit den Ressourcen dieser Erde ist Ausdruck dieser Verantwortung. In den westlichen Kirchen, also der katholischen und evangelischen Kirche, feiern wir am 1. Oktobersonntag das Erntedankfest. Wir danken dem Schöpfergott für die Früchte der Erde, die er uns immer wieder schenkt und so ist der Erntedanksonntag auch immer wieder eine Gelegenheit sich über unseren Umgang mit Gottes Schöpfung Gedanken zu machen. Es liegt an uns wie wir mit seiner Schöpfung und seinen Gaben in der Zukunft umgehen, um sie auch für die künftigen Generationen zu erhalten.
Franz Kurth, kath. Pfarrer St. Martin Hannover-Ost, St. Bernward Lehrte und St. Nikolaus Burgdorf.