Küchentisch-Moment
Ein Mann sitzt in seiner Küche und ist völlig verzweifelt. Er ist am Ende und weiß nicht weiter. Dabei passt es gar nicht zu ihm. Denn man kennt ihn als unerschrockenen Kämpfer, Organisator und mitreißender Redner, den Pfarrer und amerikanischer Bürgerrechtler Martin Luther King. Jahre später erzählt er von diesem Moment: „Ich grübelte darüber nach, wie ich am besten von der Bildfläche verschwinden könnte, ohne als Feigling zu erscheinen. In diesem Zustand äußerster Erschöpfung und völliger Mutlosigkeit legte ich Gott meine Not hin. Ich betete laut. Und Gott war da. Mir war, als hörte ich eine innere Stimme, die mir Mut zusprach: ‚Steh auf für die Gerechtigkeit! Steh auf für die Wahrheit! Ich werde an deiner Seite sein.!‘ Fast augenblicklich waren meine Ängste dahin. Meine Unsicherheit verschwand. Ich war bereit, allem ins Auge zu sehen.
Solche Küchentisch-Momente kennt sicher ein jeder, eine jede von uns. Gerade in den vergangenen Wochen hatte ich so einige davon. Wenn ich die Weltlage, die politische Situation in unserem Land und auch die vielen kleinen Dinge im Alltag betrachte, die mich verzweifeln lassen. Keine Nachrichten zu sehen ist zwar eine Möglichkeit. Aber an der Sache an sich ändert das nichts. Im Gebet finde ich dann zur Ruhe. Und die alten Worte aus der Bibel tun ein Übriges: „Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Timotheus, 1,7).
Heidrun Golenia, Lektorin im Kirchenkreis Burgdorf