Zusammenleben ist kein Sitzplan
„Zusammenleben“: das klingt erst einmal wie ein freundlicher Wunsch auf einer Grußkarte. In Wahrheit ist es eine ziemlich anspruchsvolle Disziplin. Denn zusammenleben heißt: Der andere parkt vor meiner Einfahrt, hört andere Musik, braucht Hilfe, hat eine Meinung – oder alles gleichzeitig.
Als Kirchenkreissozialarbeiterin erlebe ich: Zusammenleben gelingt nicht dadurch, dass alle gleich ticken. Das wäre auch unerquicklich. Stellen Sie sich einen Kirchenchor vor, in dem alle nur Sopran singen. Da fehlt nicht nur der Bass, da fehlt das ganze Lied.
Zusammenleben beginnt dort, wo wir einander wahrnehmen: am Mittagstisch beim Wintersuppenglück, in der Beratung, im Familienzentrum, beim offenen Ohr für Menschen mit Sorgen. Es bedeutet nicht, dass wir jedes Verhalten gut finden müssen. Aber dass wir keinen Menschen abschreiben. Diakonie fragt nicht zuerst: „Wer ist schuld?“ Sondern: „Was brauchst du und was können wir gemeinsam tun?“
Darum feiern wir am Sonntag, 6. September, um 10.30 Uhr in der Paulus-Kirchengemeinde Burgdorf den zentralen niedersachsenweiten Eröffnungsgottesdienst zur Woche der Diakonie. Gemeinsam mit dem Familienzentrum An den Hecken wird es ein Familiengottesdienst: lebendig, bunt und hoffentlich auch mit dem einen oder anderen Geräusch zur Unzeit. Hans-Joachim Lenke, Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen, predigt.
Der Apostel Paulus schreibt: „Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden.“ (Römer 12,15) Das ist Zusammenleben in einem Satz. Nicht perfekt. Aber menschlich. Und sehr christlich.
Imke Fronia
Kirchenkreissozialarbeiterin im Ev.-luth. Kirchenkreis Burgdorf