Glaubenssache

Kirchenkreis Burgdorf, 22. August 2026
Foto: Foto Meyer

Schon mal das Wort Zersorgung gehört? Ein altes Wort, 1961 aus dem Duden gestrichen. Schade eigentlich. Denn es trifft meinen Zustand manchmal ziemlich gut: Ich zersorge mich – zerfleddere mich in meinen Sorgen. Löse mich in ihnen auf, wie Salz sich im Wasser auflöst, bis nichts Festes mehr bleibt. Die politischen Nachrichten am Morgen bleiben mir im Ohr, der Klimawandel als ständiges Grundrauschen, Sorgen um Menschen, die mir nahe sind. Die Sorgen tropfen nicht einzeln, sie fluten mich. Und irgendwann ist da kein Ufer mehr, an dem ich stehen kann – nur noch das Wasser, das mich umspült. Dabei trage ich doch, tief in mir, einen Anker. Der Apostel Paulus, der gewiss auch manche Nacht wach lag und sich zersorgte, schreibt uns was uns als Christi:innen trägt: Glaube, Hoffnung, Liebe. Ein bekanntes Bild: Der Glaube als Kreuz, die Liebe als Herz und die Hoffnung als Anker, der uns am Boden hält, sodass uns die Zersorgung nicht mitreißen kann. An der Seite der Liebe geht, klein und leise, die Hoffnung. Erst die Hoffnung gibt der Liebe die Kraft, sich immer wieder auszustrecken. Vielleicht ist Glauben deshalb keine fertige Gewissheit, sondern eine tägliche Übung im Nicht-Zersorgen. Ein Innehalten. Ein Blick, der sich vom Strudel der Sorgen löst und nach oben geht. Ich möchte es üben: weniger sorgen. Nicht, weil die Welt weniger bedrohlich wäre – sondern weil mein Glaube mich ruft, die Liebe mich hält und die Hoffnung mich verankert, auch wenn alles um mich herum in Sorgen zerfließt.

Sandra Roland, Pastorin in der Gesamtkirchengemeinde Lehrter Land

 

„Glaubenssache – Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“ erscheint als Kolumne jeweils sonnabends im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen schreiben Beiträge aus ihren Kirchengemeinden, Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie gerade beschäftigt.