Die Welt ist um uns herum laut geworden. Nachrichten, Termine, Gespräche, Meinungen und die ständige Erreichbarkeit füllen unsere Tage. Manchmal scheint es, als müsse Gott lauter sein als all das, wenn wir ihn überhaupt noch hören wollen.
In der Bibel gibt es Geschichten, die berichten von diesen ganz leisen Begegnungen mit Gott, obwohl es drumherum eher laut zugeht. Der Prophet Elija z.B. erlebt Gott nicht im Sturm, nicht im Erdbeben und nicht im Feuer. Gott begegnet ihm im „sanften, leisen Säuseln“ (1 Kön 19,12). Erst als es still wird, erkennt Elija: Gott ist längst da. Er hat ihn nie verlassen. Auch die Geschichte vom Gang Jesu auf dem Wasser (Mt 14,22-33) führt dorthin. Die Jünger kämpfen gegen Wind und Wellen. Sie haben Angst. Erst als Jesus zu ihnen kommt und sagt: „Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“, weicht die Furcht. Petrus wagt sogar selbst den Schritt aufs Wasser. Solange sein Blick auf Christus gerichtet bleibt, trägt ihn der Glaube. Als die Angst wieder lauter wird als das Vertrauen, beginnt er zu sinken. Doch selbst dann greift Christus nach seiner Hand. Gott drängt sich in diesem Sinne nicht auf. Er schreit nicht gegen den Lärm dieser Welt an. Seine Gegenwart erschließt sich dort, wo wir bereit sind, still zu werden.
Nicht jede Stille ist bereits Gottes Stimme. Aber ohne Stille wird sie kaum zu hören sein. Vielleicht genügt in diesen Sommertagen schon ein kurzer Moment: einige Minuten am Morgen, ein Spaziergang ohne Handy, eine Kirche, in der wir einfach nur sitzen, oder ein stilles Gebet am Abend. Es geht nicht darum, viele Worte zu machen. Es genügt, vor Gott da zu sein. Denn oft spricht er gerade dann, wenn wir selbst nichts mehr sagen müssen. Wer die Stille sucht, wird entdecken, dass Gott nicht fern ist. Er ist schon da – mitten in den Wellen unseres Lebens. Und seine leise Stimme hat die Kraft, unserem Herzen neuen Mut zu schenken.
Franz Kurth, kath. Pfarrer St. Martin Hannover-Ost, St. Bernward Lehrte und St. Nikolaus Burgdorf.