Eine große Geste
Sie wird nicht mit Namen genannt. Doch wer etwas davon weiß, was sich in den Tagen Jesu vor seinem Tod zusammengebraut hat, wird etwas über sie erfahren. Sie heißt einfach die Frau mit dem Salböl. Wenn von Jesu Leiden erzählt wird, ist sie dabei. Sie kommt zu Jesus mit einem Gefäß aus Alabaster, in dem ein Öl aufbewahrt ist, das so viel wert ist wie das Jahresgehalt eines Lohnarbeiters. Es wird aus Narde gewonnen, einer besonderen Heilpflanze.
Sie tritt ein ins Haus, ohne Einladung. Die Stimmung ist schon aufgeheizt. Ängstliche und zuversichtliche Menschen sind dabei. Auch die, die auf die günstige Gelegenheit warten, Jesus zu schaden und auszuliefern. Sie verschafft sich ihren Weg zu Jesus. Es ensteht eine Ruhe für einen seltenen Augenblick. Sie zerbricht das Gefäß mit dem Öl und gießt den gesamten Inhalt über Jesu Kopf. Das Murren Einiger ob der Kostbarkeit des Öles bleibt ohne Widerhall. Diese verschwenderische Geste muss sein. Jesus wird gesalbt wie ein Priester und wie ein König. Er wird einbalsamiert als Geste für einen, der gehen muss.
Sie tut es aus Liebe. Sie verschwendet und ehrt. Sie ist voll und ganz im Augenblick, ohne ein Wort. Sie fragt nicht, was es kostet und lässt die klugen Rechner hinter sich. Das ist ihr Vermächtnis.
Sie wird zum Beispiel für Menschen, die sich hingeben, ohne zu fragen, was es kostet. Die lieben und pflegen, die beten und kochen, die Dreck wegräumen und nachts an Betten wachen. Sie behandeln Angehörige wie Könige und Königinnen und cremen Hände und Füße ein für einen schweren Weg am Ende des Lebens.
Wenn wir von dieser Frau weitererzählen, ehren wir alle, die nah dran sind am Leben von Menschen und sich trauen, ihnen Begleitung zu schenken, koste es, was es wolle.
Christine Behler
Pastorin zur Mitarbeit im Ev.-luth. Kirchenkreis Burgdorf,