Liebe Leserinnen und Leser, wer schon einmal nachts ohne Licht unterwegs war, weiß, wie schnell man die Orientierung verliert. Ein Stromausfall im Haus, ein dunkler Waldweg ohne Taschenlampe – plötzlich wird jeder Schritt unsicher. Man tastet sich voran, zögert, stößt vielleicht an. Erst wenn das Licht angeht, ordnen sich die Dinge. Man erkennt Wege, Hindernisse, Richtungen. So ist es auch mit unserem Leben. Der Mensch braucht Licht – nicht nur für die Augen, sondern für das Herz. Im Evangelium von der Heilung des Blindgeborenen (Joh 9,1–41) begegnet uns ein Mensch, der von Geburt an blind ist, im Dunkel leben muss. Er kennt die Welt nur tastend. Dieses äußere Blindsein wird zum Bild für die innere Orientierungslosigkeit des Menschen ohne Glauben. Als Jesus ihm begegnet, schenkt er ihm das Augenlicht. Doch das größere Geschenk ist das wachsende Vertrauen. Schritt für Schritt erkennt der Geheilte, wer Jesus ist. Am Ende bekennt er: „Ich glaube, Herr.“ Sein neues Sehen führt ihn zum Glauben – und der Glaube gibt seinem Leben Richtung. Er weiß nun, wem er vertraut. Selbst Widerstand und Ablehnung können ihn nicht mehr in die innere Dunkelheit zurückführen.
Die Pharisäer hingegen sind äußerlich sehend. Sie kennen das Gesetz, sie wissen viel. Und doch bleiben sie innerlich blind, weil sie sich dem Licht Christi verschließen. Wissen allein schenkt keine Orientierung. Erst der Glaube öffnet die Augen des Herzens. „Sehen heißt Orientierung“ – und „Glauben heißt, im Licht Christi leben“. Wer an Jesus Christus glaubt, findet Maßstäbe für sein Handeln, Hoffnung im Leid und Halt in unsicheren Zeiten. Der Glaube ist kein Zusatz zum Leben, sondern das Licht, das unseren Weg erhellen möchte. In diesem Sinn noch eine erleuchtete Fastenzeit.
Ihr Franz Kurth, kath. Pfarrer St. Martin Hannover-Ost, St. Bernward Lehrte und St. Nikolaus Burgdorf.