Glaubenssache

Kirchenkreis Burgdorf, 25. April 2026
Pastor Sebastian Hohensee. Foto: Ralph Thiele

Von Tauben und Trauben

In den Kirchen der Region werden in diese Wochen Konfirmationen gefeiert. Nach mehreren Blocktagen zu Themen wie Kirche, Glaube und Bibel und intensiven Arbeiten und Fragen in Gruppen, bekräftigen Jungen und Mädchen Gottes Zusage aus ihrer Taufe.

Neben wunderschönen Piano- und Flötenklängen werden sie freundliche Einladungen in das aktive Gemeindeleben hören. Wenn ich an diese offenen und ehrlichen Worte der Teamer*innen und der Kirchenvorstehenden denke, und mir die Konfis auf ihren Stühlen sitzend vorstelle, wird mir schon ehrlicherweise etwas flau im Magen. Ich befürchte nämlich, dass es eher Abschieds- als Begrüßungsreden sein werden. Nach einem Jahr Konfi-Zeit frage ich mich ängstlich, ob die Konfis mit dem Erreichen ihres Ziels alle bisherigen Erfahrungen mit Kirche einfach über Bord werfen werden? Ob die Kirchglocken bei den Feiern gar das Ende ihres Kontakts zur Kirche einläuten werden?

Während ich mich sorge, fällt mir ein alter Witz ein. Er geht so: Ein Pastor klagt einem Kollegen sein Leid über die Taubenplage im Kirchturm. Während er seine Not schildert, erwidert der andere. „Ich hatte vor einiger Zeit auch zu viele Tauben in unserem Kirchturm.“ Sofort will der Leidtragend wissen, was dieser denn getan habe, um die Plage endlich loszuwerden? „Es war ganz einfach“, sagt der andere „Ich habe sie getauft und konfirmiert – seitdem sind sie weggeblieben.“

Auf seinem Weg zum Kreuz verabschiedet Jesus sich von seinen Jüngern. Ein letztes Mal lehrt er sie die Dinge, die ihm wichtig sind und fasst seine Botschaft zusammen. In diesem Kontext spricht er die bekannten Worte: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.“ Das Bild von Jesus als Weinstock und den Jüngern als die Reben erinnert mich daran, dass ich geschaffen bin. Theologisch gesprochen, dass der Mensch ein Geschöpf ist. Das bedeutet, dass ich zu etwas gemacht worden bin. Zu einer Person mit einer Bestimmung, einem Auftrag und eine Verantwortung. Das ist eine überaus motivierende und bestärkende Aussage! Dass ich irgendwann einmal gemacht worden bin, heißt aber auch, dass ich meinen Ursprung nicht in mir selbst finden kann. So wie die Reben am Weinstock stehe ich in Beziehung zu etwas anderem. Dieses Bild gibt mir Zuversicht. Denn es liegt nicht allein an mir, ob der Glauben in den Konfis reift. Ob er ihnen einmal Frucht bringt. Oder wie Jesus zu der Bedingung des Bleibens sagt: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt.“ Ich wünsche allen Eltern, Familie, Pat*innen und natürlich allen Konfis ein segensreiches Ende der Konfi-Zeit und freue mich schon jetzt über sie als (dann) Konfirmierte. Amen.

Sebastian Hohensee
Pastor der Ev.-luth. Gesamtkirchengemeinde Sehnde-Rethmar-Haimar

„Glaubenssache – Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“ erscheint als Kolumne jeweils sonnabends im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen schreiben Beiträge aus ihren Kirchengemeinden, Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie gerade beschäftigt.